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Sonntagskolumne – 150 Jahre deutscher Nationalstaat.

📬Vorsicht, Post aus Sachsen! Die Sonntagskolumne von Jörg Urban 📬
Liebe Freunde, liebe Leser,
am Montag wird der deutsche Nationalstaat 150 Jahre alt. Jedes andere Land der Welt würde zu einem solchen Anlass größere Feierlichkeiten ausrichten.
Doch Deutschland ist anders: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) gab zu Protokoll, der Gedenktag komme „ungelegen“, weil wir dem Kaiserreich „beziehungslos“ gegenüberstünden. Steinmeier outet sich damit als ein Staatsoberhaupt, das jede Bindung zum eigenen Land ablehnt. Das dürfte ebenfalls einmalig auf der Welt sein.
Dabei fördert eine ausgewogene Betrachtung der Geschichte des ersten gemeinsamen deutschen Staates durchaus Spannendes zutage. Es gelang damals zum Beispiel auf vorbildliche Weise der Spagat zwischen einer besseren Bildung für breite Schichten und absoluten Spitzenleistungen in der Forschung.
Während heute Asien den technologischen Fortschritt prägt, hatten wir Ende des 19. Jahrhunderts die Nase vorn. Viele sächsische Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmen erwarben sich in dieser Zeit Weltruhm.
Man denke nur an Richard Hartmann im Maschinenbau und Clemens Winkler von der Bergakademie Freiberg, der 1886 ein neues chemisches Element fand. Ihre herausragenden Leistungen waren nur möglich, da in ganz Deutschland eine Begeisterung für Wissenschaft und Technik herrschte, die wir heute erst wieder entfachen müssen.
Bahnbrechend waren zudem die Entdeckungen in der Physik. Von der „Atomenergie“ (Hans Friedrich Geitel) war erstmals 1899 die Rede. Daneben wirkten Genies wie Max Planck, Albert Einstein, Ferdinand Braun und Wilhelm Conrad Röntgen, die reihenweise Nobelpreise für Deutschland gewannen.
Dennoch wurde auch sehr viel für die einfachen Volksschulen getan. Der Historiker Frank-Lothar Kroll, Professor für Europäische Geschichte an der TU Chemnitz, unterstreicht, „in der Spätphase des Kaiserreichs“ habe es „den wohl größten Expansions- und Innovationsschub“ an den Volksschulen gegeben.
Die Ausgaben für die Schulen und Lehrer wurden innerhalb von 50 Jahren um das 14-fache nach oben geschraubt. Zugleich erhielten moderne Sprachen und Naturwissenschaften mehr Platz eingeräumt, um eine praxisorientierte Berufsausbildung vorzubereiten.
Professor Kroll sieht deshalb einen „fundamentalen Modernisierungsschub“ in jener Zeit, der sich in allen Bereichen der Gesellschaft niederschlug. Mir ist dies so wichtig zu betonen, weil hier ein Erfolgsrezept deutlich wird, an dem sich die AfD orientiert, die anderen Parteien aber leider nicht mehr.
Statt auf mittelalterliche Technologien wie Windräder zu setzen, sollten wir zusehen, in der Kernkraftforschung Boden zu gewinnen. Ebenso ist es bezeichnend, dass im Ausland mittlerweile die modernsten und umweltschonendsten Kohlekraftwerke gebaut werden.
Die Ursache dieses bedauerlichen Rückstandes der verblassenden deutschen Wissenschaftsnation ist ideologischer Natur. Unrealistische, politische Utopien sind an die Stelle ergebnisoffener Forschung getreten. Das bremst die notwendige Neugier und befördert Engstirnigkeit. Das gewünschte Ergebnis steht schließlich von Vornherein fest. Eine Rückbesinnung auf den Forscher- und Tüftlergeist, den es vor 150 Jahren gab, kann uns daher nur guttun.
Auch steht für mich fest, dass der Nationalstaat ein wichtiger Garant für die Demokratie ist. Allein aufgrund der Sprachenvielfalt ist es weiterhin undenkbar, eine gesamteuropäische Wahl mit einheitlichen Kandidaten durchzuführen. Die Deutschen wollen deutsche Politiker wählen und die Italiener italienische. Das nahm 1871 seinen Anfang, hat sich bewährt und sollte erhalten bleiben.
Dennoch liegt es mir fern, die Vergangenheit zu glorifizieren. Deutschland hat eine wechselvolle Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Tragödien und Katastrophen gehören hier genauso dazu wie positive Ereignisse.
Wovor ich jedoch warnen möchte, ist zurückliegende Epochen mit den Maßstäben von heute zu bewerten. Das führt zu moralischer Überheblichkeit, die uns nicht gut zu Gesicht steht. Beachten wir dies, können wir die Modernität des ersten deutschen Nationalstaates selbstbewusst herausstellen.
Bis nächsten Sonntag,
Ihr Jörg Urban

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