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Sonntagskolumne: „Wir haben genug eigene Fachkräfte!“

📬 Vorsicht, Post aus Sachsen! Die Sonntagskolumne von Jörg Urban 📬

Liebe Freunde, liebe Leser,

Deutschland fehlen die Azubis. Noch nie gab es weniger abgeschlossene Ausbildungsverträge, meldete das Statistische Bundesamt vor wenigen Tagen alarmistisch. Ein „historischer Tiefstand“ sei erreicht.

Welche übereilte Schlussfolgerung viele Politiker daraus ziehen werden, ist klar: Der Ruf nach ausländischen Fachkräften dürfte in den nächsten Tagen und Wochen wieder lauter werden.

Dabei liegen die Gründe der Misere unseres einstigen Erfolgsmodells der dualen Ausbildung ganz woanders. Die IHK Chemnitz hat zunächst einmal Recht, wenn sie auf die coronabedingten Sondereffekte hinweist.

Neben dem Schulausfall fehlten auch die Berufsorientierung und die Praktika, die Jugendliche und Unternehmen zusammenbringen. Sehr viele Absolventen hätten sich daher aus Orientierungslosigkeit für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine andere Überbrückung entschieden. Sie fehlen nun gerade dem Mittelstand und Handwerk, die händeringend Nachwuchs suchen.

In anderen Branchen wie der Gastronomie und dem Tourismus lag es an der generellen Zukunftsungewissheit, dass keine Lehrverträge vergeben wurden. Alles nur mit Corona zu erklären, greift jedoch zu kurz.

Der Abwärtstrend bei der Ausbildung hält schließlich schon länger an. Bis zum Jahr 2000 gab es in Deutschland rund 1,7 Millionen Auszubildende. 2019 waren es bereits 25 Prozent weniger. Statt vier Azubis stehen jedem Unternehmen also durchschnittlich nur noch drei zur Verfügung.

Währenddessen stieg die Zahl der Studenten sprunghaft an und beträgt inzwischen drei Millionen. Die Hauptursache des Fachkräftemangels ist also eindeutig die Überakademisierung.

Zugespitzt: Statt Industriemechaniker, Pfleger und Erzieher anständig auszubilden, glaubt Deutschland jedes Jahr Zehntausende neue Soziologen, Juristen und Betriebswirte zu benötigen.

Das hat meines Erachtens zu einer eklatanten Schieflage geführt: Viele der Akademiker üben später Tätigkeiten aus, für die kein Studium erforderlich gewesen wäre. Zugleich gibt es einen tatsächlichen Fachkräftemangel in handwerklichen und sozialen Berufen.

Einfach zu beheben wäre dieser Fachkräftemangel, wenn wir das Niveau an unseren Schulen anheben, die naturwissenschaftlichen Fächer stärken und die Praxisangebote ausbauen.

Im zurückliegenden Schuljahr erreichten 487 sächsische Abiturienten die Traumnote von 1,0. 2012 waren es lediglich 33. Wir haben also innerhalb von neun Jahren fast 15-mal mehr herausragende Abschlüsse zu verzeichnen.

Das freut mich für die Schüler und ich möchte ihre Leistungen auch nicht schmälern. Dennoch glaube ich an keine Leistungs- oder Intelligenzexplosion. Ich gehe eher davon aus, dass die sehr guten Ergebnisse die Folge einer Absenkung der Anforderungen sind.

Darüber hinaus wird inzwischen jeder zweite Grundschüler nach der vierten Klasse auf das Gymnasium geschickt. Das ist in Sachsen leider sogar dann möglich, wenn der Notenschnitt dafür eigentlich nicht gereicht hat und die Lehrer die Oberschule empfehlen.

Angesichts dieser Zustände braucht sich niemand zu wundern, wenn wir in vielen Bereichen nicht mehr genug Auszubildende finden. Die sächsische AfD-Fraktion fordert daher eine verbindliche Bildungsempfehlung mit einem Notendurchschnitt von 1,5.

Bei den Unterrichtsfächern sollte indes mehr Gewicht auf Mathematik, Naturwissenschaften wie Biologie und Sport gelegt werden. Bei ideologischen Fächern wie Gemeinschaftskunde sehen wir hingegen Kürzungspotential.

63 Prozent der offenen Stellen in Deutschland entfallen auf Tätigkeiten, für die ein Ausbildungsabschluss ausreicht. Zum Vergleich: Für nur 18 Prozent der offenen Stellen ist ein Studium nötig. Das ist ein deutliches Signal dafür, dass den Oberschulen eine größere Bedeutung zukommen muss.

Denn stärken wir die Oberschulen, stärken wir zugleich die duale Ausbildung. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, schaffen es danach sehr viele Facharbeiter bis zum Meister und gründen einen eigenen Betrieb.

Das muss unser Ziel sein und nur so lässt sich der „Fachkräftemangel“ beheben.

Bis nächsten Sonntag,
Ihr Jörg Urban

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